„Angst“ – Diskussionsabend der Flüchtlingsakademie Schwerte

Wovor haben die Schwerter Bürger Angst?

Wovor haben Flüchtlinge in Schwerte Angst?

Diese zwei Fragen standen am Anfang einer angeregten Diskussion, die am 01.02.2017 in der VHS Schwerte stattfand. Gemeinsam mit circa 40 Besuchern beleuchteten die drei Moderatoren Khaled Alhamdi, Tammam Alkhaled und Jan Suberg das Thema „Ängste“. Dabei wurde schnell deutlich, dass es große Gemeinsamkeiten zwischen Alt- und Neuschwertern gibt. Häufig genannte Ängste waren:

– Angst vor dem Unbekannten oder dem Fremden. Neugier und Offenheit, so stellte die Runde schnell fest, seien hier das wirksamste Gegenmittel.

– Angst vor Rassismus und Ablehnung auf der einen Seite.

– Angst vor Islamismus und Terror auf der anderen Seite.

– Angst vor „Propaganda“, irreführender Berichterstattung und daraus resultierender Verallgemeinerung. Hierzu zählen auch eine schleichende Verklärung der Geschichte und Umdeutungen durch Parteien und Vertreter des rechten Spektrums.

– Angst vor Krieg und Gewalt

 

Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass die Frage, wie Ängste entstehen und verstärkt werden, ebenfalls große Wichtigkeit besitzt. Hier fanden die Teilnehmer ebenfalls einige Ansätze für Mechanismen der Angst:

Pauschalisierung/Verallgemeinerung. Einige Geflüchtete betonten, sie hätten Angst davor, dass die Verfehlungen Einzelner durch die mediale Berichterstattung negativ auf alle anderen zurückfallen würden. Alle waren sich einig: Es ist wichtig, das Gegenüber individuell zu betrachten und sich nicht von abstrakten Einordnungen fehlleiten zu lassen.

Ein Teufelskreis der Ablehnung. Während glücklicherweise keiner der Flüchtlinge bisher rassistische Anfeindungen oder gar körperliche Gewalt in Schwerte erlebt hat, berichtete ein Diskussionsteilnehmer davon, dass durchaus schon Personen die Straßenseite gewechselt oder im Bus vermieden hätten, neben ihm zu sitzen. Natürlich fühle er dadurch Unsicherheit, die sich auch im Umgang mit deutschen Bürgern zeigen würde. Der Kreis aus Angst vor Ablehnung und daraus resultierender selbstgewählter Isolation könne nur durch offenes Aufeinander-Zugehen und freundliche Gesten durchbrochen werden.

– Gruppenidentität und Ausgrenzung. Definitionen der eigenen Person über die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bedeute immer auch den gleichzeitigen Ausschluss oder die Herabsetzung des nicht zur Gruppe gehörigen.

– Abstraktion/Vereinfachung

 

Zum Abschluss der Veranstaltung stimmten alle Teilnehmer überein, dass ein Großteil bestehender Ängste dadurch begegnet werden kann, sich nicht von ihnen beherrschen zu lassen. Über Ängste zu reden und zu entdecken, dass sie auch verbinden können anstatt nur voneinander zu trennen, das war eine wichtige Erkenntnis, die die Diskussionsteilnehmer mit nach Hause nahmen.